Rede anlässlich der Gedenkfeier des Kameradschaftsbundes am 28.10.2017

Sehr geehrte Damen und Herren!
Geschätzte Mitglieder des Kameradschaftsbundes!
Werte Kameraden der Feuerwehren!
Liebe Werkskapelle!

Die Rede anlässlich der Gedenkfeier für die gefallenen und vermissten Soldaten der beiden Weltkriege ist für mich jedes Jahr nicht nur eine Ehre, sondern auch die Herausforderung, die Erinnerung an die dunklen Kapitel der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts in den Kontext der Gegenwart zu stellen. Vielleicht auch mit einem mahnenden Impuls des Nachdenkens über unsere Zukunft zu versehen. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit, dankbar auch dafür, dass unser Kameradschaftsbund die Tradition des Erinnerns und Mahnens pflegt und aufrechterhält.

Wohlstand & Demut
Der bekannte Künstler Helmut A. Ploschnitznigg hat heuer das „Jahr der Demut“ ausgerufen. Das klingt im ersten Moment pathetisch und überzogen, trifft aber einen ganz wesentlichen Nerv und gleichzeitig eine Schwachstelle unserer Wohlstandsgesellschaften im 3. Jahrtausend. Demut hat in diesem Verständnis nichts mit Selbstgeißelung oder Bigotterie zu tun – nein, es geht letztlich nur darum, unseren Wohlstand, die Segnungen des Sozialstaates, Frieden und Sicherheit wieder wertzuschätzen und ein bisschen gegen den gefährlichen Automatismus der Selbstverständlichkeit und des chronischen Jammerns auf hohem Niveau zu rebellieren. Es geht uns gut in Österreich - das können wir, 2 Tage nach dem Nationalfeiertag, mit Fug und Recht behaupten. Das kollektive Wohlergehen ist dabei nicht vom Himmel gefallen. Meine Generation und die nachfolgenden genießen heute noch zu einem großen Teil die Früchte der Arbeit der sogenannten Generation des Wiederaufbaus. Unser Auftrag ist es, dieses Level, dieses Niveau nicht nur in Zukunft zu erhalten, sondern es nach Möglichkeit auch zu öffnen, einer größeren Anzahl von Menschen, national und international zugänglich zu machen. Dieser Aspekt der Verteilungsgerechtigkeit erscheint mir dabei der einzige ernst zu nehmende Ansatz, die problematischen Phänomene Migration und Terrorismus an der Wurzel einer Entschärfung zuzuführen. Jammern und Einkapseln hilft dabei nicht – mit einer Prise Demut Dankbar dafür zu sein, wie es uns geht, kann aber eine gute Ausgangsbasis bilden.

Das gefährliche Spiel mit dem Feuer
Dennoch wird nach wie vor „gezündelt“, ein gefährliches Spiel mit dem Feuer und dem wohl höchsten Gut, dem Frieden, gespielt. Aktuell wieder einmal auf europäischer Ebene, in der EU, mit der EU, deren Wurzel immer noch das größte Friedensprojekt der Geschichte unseres Kontinents ist. Das wird schnell vergessen, wenn es beim Brexit um nationale und im Fall von Katalonien um regionale Interessen geht. Vergessen wird auch, dass die EU von ihrer Grundintention her eine Solidargemeinschaft ist, wo die Stärkeren den Schwächeren unter die Arme greifen und gerade damit Extremismus und Migration entgegengewirkt werden soll. Die Entwicklung in Spanien gemahnt zu besonderer Vorsicht und wir alle können nur hoffen, dass sich die politischen Akteure in Madrid und Barcelona ihrer Verantwortung am Rande eines Bürgerkriegszenarios mitten in Europa bewusst werden. Demut wäre hier, nicht zuletzt in Barcelona, einer wunderbaren, reichen, bunten und kosmopolitischen Metropole angesagt.

Die Schande
Ich wechsle den Schauplatz um einen Konfliktherd anzusprechen, der eine humanitäre Katastrophe und gleichzeitig eine Schande im 3. Jahrtausend darstellt. Die brutale Verfolgung und Vertreibung der Rohingyas in Myanmar. Es ist eine Schande des Wegschauens, die in erster Linie die Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Sun Kyi trifft, aber auch die internationale Staatengemeinschaft zu entschlossenerem Handeln bewegen sollte. Wegschauen ist gefährlich – auch das hat uns die Geschichte gelehrt.

Ausblick der Hoffnung
Aber das Lernen aus der Geschichte ist so eine Sache. Viele Lehrbeispiele im positiven Sinn findet man nicht, dennoch: Pessimismus ist auch keine Zukunftsoption. Wichtig ist die aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, keine Verdrängung, kein Beschönigen, objektiv und wertneutral. In diesem Sinne kommt der Arbeit des Kameradschaftsbundes eine wichtige gesellschaftliche Rolle zu und der traditionellen Gedenkveranstaltung vor dem Kriegerdenkmal in PölsOberkurzheim im Sinne einer Plattform für Bewusstseinsbildung ebenso. Dafür sage ich Danke und wünsche Obmann Valentin Bauer und seinem Team viel Kraft und Erfolg für die Zukunft. Glück auf!

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